“Sich aus der Komfortzone heraus bewegen”
Ein Interview mit Jürgen Bock
Als ich im Sommer per Post meinen Einsatzort für die erste Praxisphase erhielt, war ich etwas verwirrt. Kulturentwicklung? Einkauf, Marketing, Controlling, E-Commerce. All das war mir ein Begriff als Abteilung, aber Kulturentwicklung? Meine Skepsis war völlig unberechtigt. Es waren vier tolle und inspirierende Wochen in diesem kleinen aber feinen Team.
Jürgen Bock ist seit 1980 bei OTTO. Als Gründer des Bereichs leitet er seit 2005 die Kulturentwicklung. Die Abteilung ist zuständig für Mitarbeiter- und Führungskräfteveranstaltungen verschiedenster Art. Sie vermittelt Werte wie Vertrauen, fördert innovative Ideen von Mitarbeitern und trägt Themen mit Emotionen in die Organisation, die für das Unternehmen von Relevanz sind.
Herr Bock, am Anfang einmal die Frage, was wollten Sie als Kind denn immer unbedingt werden?
Ich wollte immer Musiker werden, hab mich immer wie Eric Clapton auf der Bühne gesehen. Leider habe ich viel zu spät angefangen. Jetzt starte ich aber noch einmal neu durch, denn meine Frau hat mir vor vier Wochen eine E-Gitarre geschenkt. Trotzdem habe ich jetzt hier in der Kulturentwicklung die Möglichkeit auf der Bühne zu stehen und Menschen auf kreative Art und Weise etwas zu vermitteln.
Wie kamen Sie dann zu OTTO und zu Ihrem tatsächlichen Berufsweg?
Nun gut, ich habe dann recht früh gemerkt, dass ich nicht genügend Talent habe für eine Musikkarriere(lacht). Der Rest war dann damals noch sehr stark vernunfts- und zufallsgeprägt. Ich habe dann erst einmal Jura studiert und bin anschließend kurz nach dem Studium als Rechtsanwalt zu OTTO gegangen. Ich habe das anfänglich auch sehr gerne gemacht, bis ich später gemerkt habe, dass es eigentlich nicht das ist, was meinen Talenten entspricht, da ich so gerne gestalte und kreativ bin. Das ist bei Juristen ja zugegebener Maßen weniger der Fall.
Dann gab es den Schnitt und ich bin ins Personalmarketing und später in die Personalentwicklung gewechselt, da konnte ich dann wirklich frei gestalten, mit tollen Mitarbeitern und einer wachsenden Bereitschaft auch mal mutig zu sein, etwas gestalterisch zu riskieren.
Wie genau kam es zu dieser 180°-Drehung, vom Juristen in die Kulturentwicklung?
Es war ein längerer Prozess in mir, in dem ich immer unzufriedener wurde. Das hat sich dann am Ende in Herz-Rhythmus Störungen geäußert. Bildlich gesprochen war mein Herz nicht mehr bei dem, was ich tat. Häufig ist es ja so, dass so eine Krankheit der letzte Wake-Up Call ist. Das war der Punkt für mich, an dem ich gesagt habe „so geht es nicht weiter“. Dann hat sich das Angebot mit dem Personalmarketing ergeben. Das war letztendlich ja auch genau das, was ich wollte, frei gestalten.
Bereuen Sie Ihre Zeit als Jurist denn nun im Nachhinein?
Nein. Es gibt den Spruch „Wer vom Wege abkommt, lernt die Landschaft kennen“. Ich habe auch mal gedacht „Dass hättest du auch alles abkürzen können, indem du direkt Wirtschaftspsychologie studiert hättest“, aber das wäre langweilig gewesen, weil ich immer nur in einer Schiene gefahren wäre. Es gab auch tolle und sehr lehrreiche Zeiten für mich als Jurist bei OTTO. In eine andere Richtung zu gehen, heißt nicht, dass man alles falsch macht. Mir hat dieser Weg eindeutig gezeigt, was ich nicht will und mir gleichzeitig verdeutlicht, was genau ich beruflich zukünftig will.
Am 14.12.2011 gab es einen Flashmob für den Sie verantwortlich waren. Berichten Sie doch mal kurz über den Ablauf, die Ziele und Ihre Zufriedenheit mit der Umsetzung des gesamten Events.
Ausgangspunkt war einer unserer Direktoren, Ralf Klein-Bölting, der damals gesagt hat, er hat einen neuen Bereich mit circa 260 Leuten und will einerseits, dass die Leute als Team zusammen wachsen und andererseits etwas für unsere Mission „Die Kraft der Verantwortung“ tun. Ich wurde dann inspiriert durch eine Bewegung namens „Improve everywhere“ und bin auf die Idee gekommen einen Flashmob zu veranstalten. Die Einrichtung für die wir dieses Event dann letztendlich gemacht haben, das Cafée mit Herz,eine Einrichtung für Obdachlose, ist immer auf Spenden angewiesen und die werden am besten generiert, wenn der Verein in der Öffentlichkeit steht. Zusammen mit einer Tanztrainerin aus Berlin, dem Chorleiter der Young ClassX (Anm. d. Red. Chor von OTTO), Peter Schulte, und Michael Zlanabitnik, der eine wirklich tolle Band, Live Between, hat, haben wir dann ein Team gebildet. Nach leichten Startschwierigkeiten haben wir dann auch recht schnell ein Konzept gehabt, dass die 260 Mitarbeiter dann tagsüber vor dem Flashmob einstudiert haben. Wir sind dann insgesamt vier Mal in der Innenstadt aufgetreten und ich bin wirklich total glücklich wie alles abgelaufen ist, vor allem auch weil es den Mitarbeitern gefallen hat. Dass hat man vor allem auf der Rückfahrt und der Party danach gemerkt, die Stimmung war wirklich sehr ausgelassen und fröhlich.
Haben Sie für die Zukunft noch persönliche Ziele für Ihre Zeit bei OTTO?
Das hört sich so endgültig an (lacht). Ich habe noch viel Power in mir und damit möchte ich die Menschen hier gerne erreichen. Es ist ja so, dass ich nicht längerfristig planen kann. Ich weiß, dass ich bis März sieben Projekte in verschiedene Richtungen habe, was danach kommt ist erst mal ungewiss. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass etwas Spannendes kommt, darüber hinaus habe ich auch noch eigene Ideen.
Und für die Kulturentwicklung?
Ich möchte, dass wir hier in der Kulturentwicklung so klein bleiben wie wir sind, weil wir dadurch alle sehr engen Kontakt miteinander haben und ich zu schätzen weiß, was ich hier an den Leuten habe. Ich wünsche mir für OTTO, dass wir es schaffen, noch mehr zu einer Vertrauenskultur zu kommen. Das ist kein einfaches Thema, weil es subtil gespielt werden muss. Vertrauen kann ich nicht erzwingen, ich muss es entwickeln lassen. Das ist sicherlich unser Hauptprojekt für die nächste Zeit.
Sie haben ja nicht nur ihr berufliches Glück in der Kulturentwicklung gefunden, sondern auch Ihr privates bei OTTO. Sie haben im Sommer Ihre Frau, die auch bei OTTO arbeitet, geheiratet. Erzählen Sie doch mal, wie sie sich kennengelernt haben.
Wir haben uns bei einer Aktion namens „Flying Carpets“, kennengelernt. Es gab in diesem Zusammenhang eine Vernissage und ich habe sie damals zu ihren Eindrücken interviewt. Naja, wir sind dann nochmal Mittag essen gegangen, haben dann nochmal einen Kaffee zusammen getrunken und dann hat sich alles so entwickelt(lächelt). Wir sind wirklich total glücklich miteinander und können uns auch privat gegenseitig inspirieren.
Herr Bock, ich bedanke mich für das Interview und wünsche Ihnen alles Gute für Ihre private und berufliche Zukunft!







